Wie hat Ihnen der wilde Ritt auf dem Feuer-Affen gefallen? Halten Sie sich gut fest, denn dieses Jahr wird genauso feurig sein!

In meinem Ausblick auf das neue chinesische Jahr im Januar 2016 schrieb ich: „Rechnen Sie mit Überraschungen. Rechnen Sie mit dem Undenkbaren. Rechnen Sie damit, daß alte Grenzen herausgefordert und neue gesetzt werden.“ Und so war es auch. Der uns bekannte Alltag wurde von Ereignissen wie dem Brexit und den US-Wahlen von Grund auf durchgeschüttelt. Meiner Annahme nach gilt dies auch für das Privatleben vieler Menschen (bei mir war dies sicherlich der Fall). Im Vergleich zu 2016 wird 2017 sich etwas bodenständiger anfühlen, doch die Veränderungen sind noch lange nicht vorbei — ganz im Gegenteil.

Einen Moment bitte – halten Sie kurz zusammen mit mir inne. Lassen Sie den Lärm hinter sich. Ziehen Sie Bilanz. Atmen Sie durch und finden Sie Ihre Mitte, Ihre Erdung. Wenn ich diese Übungen praktiziere, kann ich wirklich fühlen, wie ich mich in einen Baum verwandele, dessen Wurzeln tief in die Erde hineingreifen. Atmen Sie in Ihre Mitte. Konzentrieren Sie sich einfach nur auf das Atmen. Spüren Sie dann die Stille und Beständigkeit in Ihrem Inneren, entscheiden Sie sich, worauf Sie als nächstes Ihre Aufmerksamkeit richten möchten und fahren Sie erfrischt und fokussiert fort. Seien Sie achtsam, wenn es an der Zeit ist, herunterzufahren und schenken Sie sich genügend Freiraum um innezuhalten, den Lärm hinter sich zu lassen und zu atmen, um Erdung und Ihre Mitte zu finden. Machen Sie so weiter und wiederholen Sie den Vorgang.

Ich kann Ihnen auch empfehlen, sich ein Buch über die dänische Philosophie der Gemütlichkeit, Gemeinsamkeit und des Wohlbefindens zu besorgen, welche auch als Hygge bekannt ist.

Achtsamkeit und die Rückkehr zu den einfachen Dingen des Lebens wird Ihnen dabei helfen, die Reise durch das Jahr des Feuer-Hahns zu bestehen, die mit dem Neumond am 28. Januar 2017 beginnt.

Lassen wir uns nun die Energien und deren Dynamiken ansehen:

Der Hahn gehört dem Element Metall an. Das Wesen des Hahns ist generell gesehen praktischer veranlagt, methodischer und ausgeglichener als das des Affen — doch es ist genauso dynamisch. Hähne sind ausgezeichnete Anführer, die Erfolg erwarten und nach ihm streben. Sie stehen gerne im Mittelpunkt und unterhalten ihre Gemeinschaft. Mit Selbstbewusstsein, Charisma und Entschlossenheit konzentriert sich der Hahn auf seine Leidenschaft und widmet sich den Dingen, an die er fest glaubt, während Familie, Fanclub oder Angestellte ihn anfeuern.

Selbstbewußtsein kann sich jedoch in eigennützigen Egoismus verwandeln, Leidenschaft in Besessenheit, Charisma in Sucht nach Aufmerksamkeit und Entschlossenheit in Rücksichtslosigkeit. Es ist gut möglich, daß die Verehrung des Hahns vonseiten der Familie, des Fanclubs oder der Angestellten eines Tages nachlässt und diese feststellen, dass sie benutzt und zurückgelassen wurden. Der Hahn muss also lernen, das Gleichgewicht zwischen diesen Extremen zu erhalten und sowohl mit Integrität als auch mit Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse anderer zu führen.

Das Feuer-Element dieses Jahres beinhaltet Yin, welches von einer kleinen unbeständigen Flamme symbolisiert wird. Yin-Feuer dreht sich um Sensibilitäten, Emotionen und Spannungen, welche — falls sie nicht angehört und berücksichtigt werden — an Dynamik zulegen und mehr Umbruch verursachen können als das aufbrausende Yang-Feuer. Stellen Sie sich einen winzigen Funken vor, der unbemerkt im Unterholz flackert und letztendlich einen ganzen Wald in Brand setzt. Man sagt, Feuer befinde sich in einer einander entgegenstehenden Beziehung zu Metall, dem Element des Hahns. Das Zusammenspiel von Yin-Feuer und Metall erzeugt deshalb ein erhöhtes Potenzial für Konflikt und explosive Ereignisse.

Andererseits sind die gutartigen Eigenschaften des Yin-Feuers Optimismus und die Erweiterung von Intuition und Instinkt, welche — zusammen mit der proaktiven Entschlossenheit des Hahns — das schnelle Finden langlebiger Lösungen für komplexe Probleme erleichtern kann. Zum Beispiel ist dies das perfekte Jahr für das Erscheinen von neuen bahnbrechenden Technologien und großen wissenschaftlichen Entdeckungen, wie etwa Heilmittel für bestimmte Krankheiten.

Kurzum denke ich, daß die Ereignisse von 2016 unsere Menschlichkeit aufs Spiel gesetzt haben und dass die Alchemie des Feuer-Hahns uns dazu bewegen wird, Entscheidungen zu treffen. Welche Werte schätzen wir als Fundament unserer Leben und wie werden wir sie angehen, besonders in unserer Beziehungen zu anderen? Liegt die Entscheidung darin, als eine Gemeinschaft mit gegenseitigem Respekt zusammenzukommen? Können wir verschiedene Meinungen haben und doch gleichzeitig gütig und vorurteilsfrei sein? Oder wird der Schwerpunkt auf Polarisierung, Machtspielen und Konflikt liegen? Werden wir nach gemeinnützigen Lösungen streben oder versuchen, um jeden Preis zu gewinnen? Werden wir bewusst die wichtigen Dinge mit Klarheit wahrnehmen oder werden wir uns von Drama und Lärm ablenken lassen? Werden wir unsere Ansichten lauthals vertreten oder werden wir das Handtuch werfen? Die diesjährigen Wahlen in Europa (Niederlande, Frankreich, Deutschland, Tschechische Republik, vielleicht auch Italien) werden ein Lackmustest sein. Ich jedenfalls werde sichergehen, meine Stimme Kandidaten mit Integrität zu geben, jenen, die aufrecht und sicher stehen, die Sprache der Angst und Bedrohung jedoch nicht verwenden.

Ich erwarte ebenfalls, daß die Dynamik von Wasser und Feuer unsere Aufmerksamkeit auf den Klimawandel und die Ressourcen der Erde lenken wird und wir darüber nachdenken werden, wie man diese vorsichtig und weise für das Wohl unserer Gemeinschaften benutzen kann — oder ihre Fülle zum Schaden der Menschheit mißbrauchen kann.

Abschließend etwas Inspiration aus „Der Mann, der Bäume pflanzte“ von Jean Giono, einem meiner Lieblingsbücher. Die Hauptfigur Eleazar Bouffier verkörpert einfache, stille Entschlossenheit und positive Absichten, die eine wüste Landschaft zum Wohl der Allgemeinheit verwandeln… ohne jegliches Verlangen nach Aufmerksamkeit.

…er fing an, seinen Eisenstab in die Erde zu bohren und machte ein Loch, in welches er eine Eichel pflanzte, dann verschloss er das Loch wieder. Er pflanzte Eichen. Ich fragte ihn, ob das Land ihm gehöre. Er sagte nein. Wisse er, wem es gehörte? Nein, das wusste er nicht. Er nahm wohl an, dass es Gemeinbesitz war oder vielleicht Leuten gehörte, denen es egal war. Er scherte sich nicht darum, herauszufinden, wem es gehörte. Er pflanzte seine hundert Eicheln mit größter Sorgfalt.“

Und jetzt gehe ich meine Haselnußsträucher schneiden und schaue nach meinen Salatsamen auf dem Fensterbrett. Dann werde ich eine Tasse Tee vor dem Feuer trinken und mein Buch über Hygge lesen, ein Weihnachtsgeschenk von einer achtsamen Freundin…

恭喜发财! Ich wünsche allen ein erfolgreiches Jahr des Hahns!

Judith